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Thema Familienstellen
Über Systemische Aufstellungen
Was ist das Systemische Familienstellen?
Sichtbar machen, was im Verborgenen wirkt, und dafür eine Lösung finden Gleich vorneweg: Es ist schwierig, das Familienstellen umfassend zu erklären, am besten ist, wenn man es persönlich erlebt. Eine bekannte Kinesiologin und Aufstellerin brachte es kürzlich treffend auf den Punkt: "Es ist nicht dasselbe, ob ich mir vom Film im Kino erzählen lasse oder wenn ich ins Kino gehe und mir den Film selbst anschaue". Genauso ging es mir, als ich zum allerersten Mal an einem Seminar teilnahm. Natürlich hatte ich vorher etwas darüber gelesen und auch von anderen Personen davon gehört – und natürlich war ich auch kritisch (und sehr unsicher, was da auf mich zukommen sollte!). Als ich jedoch schon nach kurzer Zeit als Stellvertreter in einer Aufstellung stand, begriff ich erst die Dimension und worum es wirklich geht und was
man damit für Erfahrungen machen kann. Gerade aus meiner eigenen ersten Erfahrung heraus verstehe ich das Bedürfnis nach ein paar einführenden Erklärungen.
Mit der Methode des Familienstellens (Systemische Aufstellungen) können neue Einsichten im Zusammenhang mit Schwierigkeiten in der Familie, der Partnerschaft, in beruflichen Situationen, bezüglich der Gesundheit und im Kontext von schweren Schicksalsschlägen gewonnen werden. Durch diese neue Sichtweise können Lösungen gefunden werden, die auch ein leidvolles Schicksal wenden oder erleichtern können. Es geht bei einer Aufstellung also darum, andere Sichtweisen zu erhalten auf das, was mein Leben und mein Verhalten in bestimmten Situationen aus dem Unbewussten heraus prägt. Was ist es, was mich traurig, krank, ängstlich, erfolglos, überschwänglich, gereizt, beziehungslos, todesmutig usw. macht? Weshalb tue ich gewisse Dinge obwohl ich sie gar nicht müsste? Weshalb tue ich gewisse Dinge nicht, obwohl ich sie müsste? Habe ich den richtigen Platz im Familiensystem? Prägt das Schicksal einer anderen Person in meiner Herkunftsfamilie mein Leben?
Beitrag von André Hintermann
www.2hintermann.ch |
Formen des Familienstellens / ...von
Aufstellungen
Gleichbedeutende oder artverwandte Begriffe: Familienaufstellung, Aufstellung, Familienstellung, Organisationsstellen, Brettaufstellung, Figuren-/Objektaufstellung. Aufstellungen
finden in verschiedenen Formen statt:
Die am meisten bekannte ist in Form von offenen Gruppenseminaren (hier
finden Sie eine Uebersicht aller Termine). Es gibt auch die
geschlossene Form, diese trifft man in Teamaufstellungen /
Organisationsaufstellungen in Firmen, Behörden und Organisationen
an. Sehr oft werden Aufstellungen auch in der Therapie-/Coaching-Sitzung
gemacht, meistens mit Figuren auf einem
Brett oder mit Objekten, mit Bodenankern (Kartonplatten) Das ist nur eine Auswahl der bekanntesten Bezeichnungen. Es gibt noch unzählige weitere Formen (zB. Astrologieaufstellungen) sowie auch in Kombination mit anderen Therapieformen, zum Beispiel mit der Psychokinesiologie oder dem Neuro-Imaginativen Gestalten. Wichtig erscheint mir, dass bei allen Formen nicht nur Probleme zwischen Menschen Gegenstand des Anliegens sein können, sondern auch abstrakte Themen, wie zum Beispiel Todesangst, Schüchternheit, Rückenschmerzen, Erfolglosigkeit,
etc. Bei der Familienaufstellung geht es um Anliegen, welches eine
individuelle Person betreffen, zum Beispiel Beziehungsprobleme, Ängste, Krankheit, Probleme am Arbeitsplatz. Die Person, welche ihr Anliegen gelöst haben möchte, muss davon betroffen sein (siehe
"wer kann eine Aufstellung haben"). Organisationsaufstellungen: Hier geht es um das Thema, welches einen Betrieb, eine Abteilung,
eine Führungskraft oder ein Gremium betrifft. Ziel einer Organisationsaufstellung kann sein, einfacher zusammenzuarbeiten oder bessere Resultate zu erzielen. Organisationsaufstellungen basieren auf ähnlichen Grundlagen wie das Familienstellen, haben aber ein paar
wichtige andere Aspekte, die vom Leiter zwingend gekannt und berücksichtigt werden müssen. Aufstellungen für Familienbetriebe fallen eher unter das Familienstellen. Brettaufstellungen werden auch als Figurenaufstellungen bezeichnet, weil sie auf einem Brett mit Figuren (Holzmanöggeli, Playmobil-Figuren, etc) gemacht werden. Diese Art Aufstellungsarbeit ist eine typische Form der Einzelberatung und für Klienten geeignet, welche aus bestimmten Gründen ihr Anliegen nicht in einem Gruppenseminar vorbringen und aufstellen möchten. An die Stelle des Seminarraums tritt
in diesem Fall ein Brett, die Figuren dienen als Stellvertreter. Dabei entsteht ein intensiver Dialog mit dem Leiter und auch hier können gute Lösungen gefunden werden. Objektaufstellungen sind
vom Prinzip her das selbe wie Brettaufstellungen, nur dass die Mittel breiter gewählt sind: Anstelle des Brettes kann ein ganzer Raum verwendet werden, statt Figuren können beliebige Objekte aus dem Fundus des Therapeuten dienen. Beitrag von André Hintermann
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Männer und Aufstellungen
Mehrheitlich sind es Frauen, welche am
Familienstellen interessiert sind und sich zu Seminaren anmelden.
Dabei sind Männer genauso Teil von Familiensystemen und haben eine
ebenbürtige Rolle als Partner, als Vater und als Mann inne.
Viele
Frauen wünschen sich, dass ihre Männer ebenso Interesse am
Familienstellen haben, weil sie es als Möglichkeit sehen, an so
einem Seminar neue Impulse für die Ausgestaltung der Beziehung und
gegebenenfalls Lösungsansätze für Paarkonflikte sehen.
Als Mann und aus meiner eigenen ersten
Erfahrung mit dem Familienstellen kann ich die Zurückhaltung der
Männer nur zu gut verstehen. Eigentlich beschäftigen uns innerlich
viel mehr Themen, als wir nach aussen zeigen. Klar, da wären wir ja
Schwächlinge, wenn wir zugeben würden, dass wir vieles gar nicht so
im Griff haben, oder dass wir unglaublich viel Energie verbrauchen,
um unser nach aussen sorgfältig aufgebautes Image
aufrecht zu erhalten. Denn wir haben gelernt: Du musst hart arbeiten,
gute Noten nach Hause bringen, viele Tore im Fussball schiessen,
Leistung erbringen, kräftig sein, weiterkommen – dann bist Du
richtig, dann bist Du gut, dafür kriegst Du Anerkennung. Aber: Du
darfst nicht schwach sein, auch nicht traurig, nicht verlieren und
weinen liegt überhaupt nicht drin, du sollst keine Schmerzen haben,
innere Schmerzen schon gar nicht. Auf die Zähne beissen ist angesagt
– denn sonst bist Du kein Mann, sondern ein Schwächling, ein
Versager, ein Weichei.
Im Mix zwischen Beruf, Familie, Partnerschaft,
Erziehung und eigenen Bedürfnissen wird es dann zunehmend schwierig,
dem vermeintlich optimalen Bild des zielorientierten, hart
arbeitenden und erfolgreichen Berufsmann, des verständnisvollen und
zärtlichen Ehemanns, dem fürsorglichen und liebevollen Vater zu
entsprechen…. Dabei hätte man(n) auch mal eine Schulter zum Anlehnen
und Streicheleinheiten nötig! Und deshalb sperren wir Männer Themen aus, die
uns verunsichern. Wo wir nicht "unseren Mann stehen können" - bei
denen die eingeschliffenen Muster nicht greifen.
Wenn es um Gefühle
geht und darum, unser wirkliches Befinden auszudrücken, dann wird es
vielfach schwierig. Woher sollen wir denn wissen, dass das o.k. ist?
Was wurde uns vorgelebt? Welche Unterstützung haben wir wirklich
erlebt beim "Mann-Werden"?
Deshalb sind gerade Familienstellen-Seminare
eine grosse Chance für Männer: Sie sind nicht an irgendwelchen
höheren Lebensweisheiten ausgerichtet, sondern die Anliegen sind
reale Themen aus dem Leben der Teilnehmenden, die Aufstellungen sind
lösungsorientiert und es gibt viele neue Impulse für das eigene
Leben.
Der Rahmen unserer Seminare ist „Du bist richtig wie Du bist“
- für jeden Teilnehmer. Aus dieser urteilsfreien kleinen Welt
ergeben sich gute Gespräche mit den anderen. Mit dem Familienstellen können Männer
entscheidende neue Einblicke haben, welche sie weiterbringen. Sie können
sehen, welche Entwicklungschancen in der Partnerschaft, in der
Erziehung und in der Gestaltung des eigenen Lebens bereit liegen.
Familien-, Berufs- und Lösungsaufstellungen
können auch im Rahmen eines begleitenden
persönlichen Coachings erfolgen.
Beitrag von André Hintermann
www.2hintermann.ch
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Welche Themen können mittels einer Familienaufstellung betrachtet werden?
Einfach gesagt können Sie praktisch jedes Problem, jedes Thema,
jede Entscheidung aufstellen, sofern Sie persönlich oder Ihre Kinder davon betroffen sind.
Hier eine Liste von möglichen Themen:
- Beziehung:
Konflikte, Trennung, Macht/Ohnmacht, Beziehungslosigkeit, Kontaktprobleme, Kinderlosigkeit, Aussenbeziehungen, Blockaden, Mischehe/Kulturunterschiede
- schweres Schicksal:
Abtreibung, Totgeburten, überlebender Zwilling, Adoption
- Gewalt:
Missbrauch, Kriegstraumata, Täter, Opfer
- Herkunftsfamilie:
Kein Kontakt zu Eltern/Geschwister, Konflikte, seinen Platz nicht haben, nicht selbstbestimmt sein, schwarzes Schaf, Geheimnisse, sich ausgestossen fühlen, keine Anerkennung, blockierte Kommunikation
- Belastungen:
Abschied, Trauer, Depressionen, Angst vor dem Tod, schwere Unfälle, Kraftlosigkeit, Suizid-Handlungen oder -Gedanken
- Kinder:
Erziehungsschwierigkeiten, Hyperaktivität, Schulleistungen, Passivität, Drogen, Pflegekinder, Konflikte mit anderen Kindern/Lehrern, Patchwork-Familien
- Beruf:
Entscheidung für neue Stelle/Selbständig machen, wiederholte Entlassung und dauernde Arbeitslosigkeit, Mobbing, Führungsschwierigkeiten, Burnout, auf keinen grünen Zweig kommen, Uebersehen werden, keine Anerkennung erhalten
- Sucht:
Drogen, Spielsucht, Geltungssucht
- Geld:
Verluste, Konkurse, Sanierungsschwierigkeiten, schwierige Erbschaften, Haus und Hof, Schwierigkeiten in Familienunternehmen
- Entscheidungen:
Neues Haus, Veränderung in Beziehung, sich Selbständig machen, neue Lebensausrichtung, Nachfolgeregelung in Familienbetrieb
- Gefühle und Aengste:
Phobien, Verlustangst, Existenzängste, Schuldgefühle, Selbstwert, Platzangst, Zwänge, Blockaden, Traumata
- Gesundheit:
Allergien, schwere Erkrankungen und Unfälle (v.a. wiederholt), Organe, Transplantation, Rückenschmerzen, Migräne, etc.
- Werte und Heimat:
Entwurzelt sein, keinen Platz haben, Migration, Secondos
Beitrag von André & Anke Hintermann
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Fallbeispiel: Eltern und Neurodermitis
Margrit, verheiratet und Mutter von zwei Töchtern, kommt in ein Seminar, weil ihre Ehe zu scheitern droht. Die Distanz zwischen ihr und ihrem Mann werde immer grösser. Sie hätten versucht darüber zu sprechen, doch keiner konnte einen sichtbaren oder erklärbaren Grund dafür nennen. Sie sagte wortwörtlich: „etwas steht zwischen uns, wir kommen nicht mehr an uns ran und gehen uns immer mehr aus dem Weg“.
Die Seminarleitung bittet sie nun, jemanden aufzustellen für Sie, ihren Mann und jemanden für das, was dazwischen steht. Ihren Mann stellte sie sich gegenüber, jedoch mit grossem Abstand. „Das was dazwischen steht“ (sie wählte eine Frau dafür) stellte sie in die Mitte zwischen beide, jedoch mit Blick nach aussen. Margrit und ihr Mann schauten so beide auf „das was dazwischen steht“, können sich aber gegenseitig nicht sehen. Schon nach wenigen Minuten zeigte sich, wie schwer sich „das was dazwischen steht“ fühlt.
Die Seminarleitung fordert die drei Vertreter nun auf, Bewegung zuzulassen, wenn diese sich von innen aufdrängt. „Das was dazwischen steht“ zieht es auf den Boden. Erst setzte sie sich und etwas später legte sie sich auf den Rücken. Der Mann von Margrit geht weiter weg, dreht sich leicht ab, schaut aber interessiert zu. Margrit geht langsam auf das zu, „was dazwischen steht“, wie davon angezogen. Angespannte Stille herrschte im Raum und kein Wort wurde gesprochen. Im Gesicht von Margrit zeigen sich Trauer und Tränen. Sie schauten sich lange an, bis Margrit dann den Kopf auf den Bauch von „das was dazwischen steht“ legte. So kam sie langsam zur Ruhe und Zufriedenheit zeigt sich im Gesicht. Nun baten wir Margrit an Stelle ihrer Stellvertreterin diesen Platz einzunehmen.
Der Mann schaute die ganze Zeit zu und kommt jetzt näher ran. Er schaut Margrit an und sie schaut ihn an, einige Minuten. Auch die Gesichtszüge des Mannes entspannten sich nun und zeigten ein leises Lächeln. Hier brachen wir die Aufstellung ab, in der kein einziges Wort gesprochen wurde.
Wir fragten Margrit nicht, wer das sein könnte und baten sie, das einfach so stehen zu lassen, ohne danach zu forschen. 1½ Jahre hörten wir nichts mehr von ihr. Dann kam sie an einen unserer Kreistanz-Tage und erzählte uns dann in einer Pause, was sich seither verändert hat: Schon am ersten Abend nach dem Seminar seien sie in den Ausgang gegangen und spürten die Liebe fliesen, und diese fliesse auch heute noch, wie am Anfang der Beziehung.
Dann sagte uns Margrit etwas ganz entscheidendes: Die einte Tochter, 12 Jährig, habe seit 6 Jahren Neurodermitis. Diese Krankheit sei nach dem Seminar innert 3 Monaten völlig verschwunden, und auch heute nach 1½ Jahren seien keine Anzeichen davon mehr sichtbar. Dies bestätigt einmalmehr, dass wir Leiden und Krankheit nicht nur rein körperlich betrachten können. Erst in einer grösseren Schau des Leidens, was wir im Familienstellen tun, wird Heilung möglich. Oft machen kranke, leidende, oder so genannt „gestörte“ Kinder auf Unerlöstes/Unordnung der Eltern oder der Familie aufmerksam. Damit das Kind sich gesund entwickeln kann, braucht es Halt, und diesen hat es, wenn die Eltern in ihrem Verhalten verlässlich und berechenbar sind. Dies setzt von den Eltern voraus, dass sie Ordnung gemacht haben mit allen früheren Beziehungen und ganz besonders mit ihrer Herkunfts-Familie.
Sicher spürte und sah die Tochter Margrits, dass die Eltern immer mehr auseinander gehen und Sorgen haben. Sie machte mit ihrer Krankheit darauf aufmerksam, dass entweder Mutter oder Vater noch etwas in Ordnung bringen muss. So heilte die Neurodermitis die Ehe der Eltern und auch die Haut der Tochter (sofern die Eltern bereit sind, darauf einzugehen). Und die systemische Familienaufstellung war das Hilfsmittel, das es möglich machte.
So zeigt sich auch Krankheit nicht als etwas abgesondertes, für sich allein stehendes, was nur mit der betroffenen Person zu tun hat (wie das oft von der Schulmedizin gesehen wird), sondern sinnvoll eingebettet in ein grösseres Ganzes, das Familien-System. So wie die Organe in einem menschlichen Körper das Leben des nächst grösseren Systems -des Körpers- möglich machen, machen auch die verschiedenen Körper (Personen) das Leben des nächst grösseren Systems - der Familie - möglich. So stellt sich die Frage, wie sie auch in der anthropologischen Psychiatrie unter biographischem Aspekt gesehen wird: „Wozu wird diese Krankheit einmal gut gewesen sein“?
In der obigen Aufstellung zeigte sich das weiterentwickelte Familienstellen, was Bert Hellinger „Bewegungen der Seele“ nennt. Wenn es den StellvertreterInnen gelingt, innerlich gesammelt in Kontakt zu gehen mit den Personen die sie vertreten, drängen sich von innen langsame aber intensive Bewegungen auf. Auf diese Weise kann die Seminarleitung oft ganz oder teilweise auf Anweisungen verzichten. So kann sich ein gutes Lösungsbild zeigen, ohne ein Wort zu sprechen.
Beitrag von Rolf Müller & Gabrielle Biétry
www.i-g-t.com
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Sozialwissenschaftliche Arbeit einer Lehrtochter über das
Familienstellen
Caroline Hüsler (Jahrgang 1988) hat im Oktober 2005 in ihrem
zweiten Lehrjahr Fachangestellte Gesundheit einee engagierte
Semesterarbeit zum Thema "Familienstellen" geschrieben.
Hier
der Link auf die Arbeit (PDF-Datei) |
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