Familienstellen Seminare
Kurse/Abendvorträge / TV-Tipps
Ausbildung
Persönliche Entwicklung
Aufstellung in
Einzelsitzung
> Thema Familienstellen
Blogs & Literatur
Links
Fragen
Impressum
Sitemap
Home
en français |
Thema Familienstellen
Kritik am Familienstellen
Familienstellen als Lügengebilde und
Massensuggestion?
Hugo Stamm hat hier einen Fall gefunden, den es nicht geben dürfte. Wenn die Leiterin Teile einer Aufstellung in solcher Art „deutet“, so macht sie Fehler. Sie macht sich selber damit wichtig und dient damit nur ihrem Ego. Anstatt der Anliegen der Klienten, stellt sie sich selber in den Mittelpunkt. Das dürfte nicht sein.
Für Hugo Stamm ist ein solcher Fall ein willkommenes Geschenk, die Methode Familienstellen als „Esoterische Disziplin“ und „Massensuggestion“ abzutun. Um die Leserschaft negativ zu beeinflussen spricht er nicht von Aufstellung, sonder von „Ritual“, nicht von Aufstellungs-Leiterin sondern von „Spiritueller Leiterin“. Wenn eine Masse diesen Artikel liest, so ist dies wohl eher „Massensuggestion“.
Warum erwähnt er nicht einen einzigen der positiven Fälle, von denen es tausende gibt? Weil er diesen Fall dazu missbraucht, die Methode als solches schlecht zu machen, weil diese nicht „wissenschaftlich“ ist. Warum schreibt er nicht über jenen Chirurgen, der seiner Patientin das falsche, gesunde Bein amputiert hat? Warum nicht über jenen Arzt, der eine Frau nach Chemotherapie für „ganz sicher klinisch Tod“ erklärt, diese aber nach einer Stunde die Augen öffnet und weiter lebt? Auch solche „Fehler“ dürften nicht passieren, werden aber einfach hingenommen, weil man auch von den vielen positiven Ergebnissen weiss. Die positiven Ergebnisse gibt es aber auch im Familienstellen, im gleichen Verhältnis wie in der Medizin.
Für Hugo Stamm scheint der Mensch nur eine wissenschaftlich-erfassbare Maschine zu sein. Was nicht sichtbar ist, gibt es nicht. Meine Hand nimmt der Chirurg auseinander und setzt sie wieder zusammen, aber das, was dazu führt, ob diese Hand nun schlägt oder streichelt, ist nicht sichtbar und kein Chirurg findet es, dies macht aber meine Lebensqualität aus. Mein Hungergefühl oder mein Gefühl für Gerechtigkeit findet auch kein Arzt, ist also nicht wissenschaftlich, also gibt es das gar nicht?!
Dass es in einer Aufstellung auch Tränen geben kann (Hugo Stamm nennt es suggestiv: „kollektives Schluchzen“) ist gut so. Dass die oft schweren Probleme und oft auch deren Lösungen zu Tränen rühren ist nichts als Menschlich. Schön zu sehen, dass der Mensch mehr ist als eine wissenschaftlich-sichtbare Maschine, dass da auch noch Gefühle sind (kein Wissenschaftler findet diese in mir), Emotionen und dass auch ein Staunen, ein Wundern noch möglich ist. Dies alles macht doch das Leben aus. Das Staunen stärkt, indem es für das Wunderbare, gerade auch im alltäglichen Leben, öffnet. Nur an das Sichtbare, Wissenschaftliche zu glauben macht eng, trostlos und deprimiert, weil so die Welt und das Leben nur eingeschränkt wahrgenommen wird und das Entscheidende oft nicht gesehen wird. Alles erklären wollen, Begreifen, Klassifizieren, Zuordnen sind eingeübte Reaktionsweisen, die eine eigenständige Wahrnehmung verhindern. Sowie uns Fragen weiterbringen als Antworten, führen Vermutungen weiter als Gewissheiten.
IGT, Rolf Müller und Gabrielle Biétry, 9545 Wängi
www.i-g-t.com
|
Merci, Hugo Stamm
Letzte Woche hat uns der "Sektenexperte" vom Tages-Anzeiger, Hugo Stamm, einen Artikel über das Familienstellen beschert, samt einer Karikatur, welche sehr geschmacklos versucht einen Zusammenhang mit dem aktuell laufenden Film "Sennentuntschi" und dem beschriebenen Fall
zu konstruieren.
Vielleicht hat dies den einen oder anderen von Euch verunsichert oder Ihr wurdet von Leuten darauf angesprochen.
Ich möchte Euch ein paar Aspekte und Gedanken dazu darlegen. Doch zuerst eine kleine Einführung zum Thema "kommerzielle Dynamiken im System einer Tageszeitung":
- Eine Zeitung lebt hauptsächlich von Inserate-Einnahmen (nur deshalb gibt es übrigens Gratiszeitungen)
- Eine hohe Auflage macht eine Tageszeitung interessant für Werbung
Eine hohe Auflage ist notwendig, um einen möglichst guten Preis für Inserate zu erzielen
- Die hohe Auflage kann nur durch viele Leser erzielt werden, die sich die Zeitung kaufen oder (im Falle der Gratiszeitung) eine greifen.
- Die Leser brauchen interessante, anziehende Artikel, damit sie auch die Werbung lesen
- Hugo Stamm ist ein Journalist und verdient seine Brötchen mit Zeitungsartikeln
- Er hat sich in einer Nische etabliert und ist als "Sektenexperte" positioniert, Sekten sind eine Gefahr und deshalb ist das ein attraktives gesellschaftliches Thema (1. Lehrgang: AIDA lässt grüssen!)
- Langweilige und uninteressante Zeitungsartikel sind unerwünscht, ein Journalist erhält von der Redaktion keinen Platz im Blatt, wenn er nicht einen interessanten, Leserschaft anziehenden Beitrag bringt. Ein populärer Status hilft in diesem Kampf / Anspruch um Platz in der Zeitung.
- Hugo Stamm hat sich einen populären Namen gemacht - das ist gut für ihn und für die Zeitung.
- Der populäre Status eines "Sektenexperten" macht unangreifbar, deshalb muss HS auch nicht beweisen oder etwas differenziert zu Ende diskutieren.
- Die Masche geht wie folgt: Realen Fall aufgreifen, bewerten, warnen, die ganze Methode pauschalisieren
zB. erkennbar am Satz: "Ähnliche Missbräuche sind beim Familienstellen an der Tagesordnung"
- Das polarisiert und hält die Emotionen auf allen Seiten hoch
- "Endlich sagt mal einer, was Sache ist und räumt auf"
- "Das ist empörend/schockierend/verletzend - was für einen undifferenzierten Mist der
da schreibt"
- Dies gibt "Stimmung" in die Zeitung, Leser schreiben, in der Online-Seite wird kommentiert und auch in Hugo Stamms Blog ist etwas los - für eine gewisse Zeit findet ein perfekter Selbstläufer statt.
Als Andersdenkender und Anderswissender ist man diesem System ziemlich wehrlos ausgesetzt. Mit jemandem, der nur kritisieren und polarisieren will, kann man keine Diskussion führen. Denn man findet sich entweder immer in der Beweispflicht und es ist schlicht kein konstruktiv-interessiertes Gegenüber vorhanden. Mit
einem wie Hugo Stamm über die Systemische Aufstellungsarbeit, über gute Lösungen und über Bert Hellinger zu diskutieren ist meines Erachtens absolut chancenlos.
Denn für eine differenzierte Betrachtung, braucht es Willen, Zeit und Platz. Genau dies kann und will das System "Sektenexperte beim Tages-Anzeiger" nicht leisten, denn differenzierte Auseinandersetzung macht keine Emotionen, sondern wird bald 'langweilig' oder es interessiert nicht das breite, sondern das kleine Expertenpublikum. Aber vielleicht ist dies gerade - auf einer gesellschaftlichen Ebene - eine Notwendigkeit, um auch diesen Aspekt in uns zu bedienen.
Vielleicht mag es die Verunsicherten unter Euch beruhigen, dass die ganze Geschichte auch positive Aspekte hat:
- Das Familienstellen bleibt im Interesse und es wird darüber gesprochen. Das zeigen uns die Promis auf dieser Welt jeden Tag: Hauptsache, es wird über sie gesprochen - egal was. Das wird auch nicht dem Zufall überlassen, sondern ist eine klare Marketingstrategie.
- Wer das Familienstellen bisher schon als Teufelszeug oder als eine Methode für "Ich-Schwache" (Zitat aus Online-Kommentaren) bezeichnet, wird wahrscheinlich nie den Weg zu einer Brett- oder Gruppenaufstellung finden. Das ist gut so. Und wenn eines Tages trotzdem: Umso besser
- Wer dank einer Aufstellung oder einem systemischen Coaching Verbesserung seiner Situation erfahren hat, wird sich das durch einen solchen Artikel nicht nehmen lassen
- Wer kritisch oder unsicher ist und sich - durch den Artikel interessiert - sich bei uns meldet, Fragen stellt, Informationen und die Diskussion sucht: Wunderbar, Gelegenheit für eine differenzierte Diskussion!
In diesem Sinne: Merci, Hugo Stamm für den Artikel und den darin aufgegriffenen Fall: Dieser nimmt uns nichts weg, sondern bringt eine wunderbare Gelegenheit, mit interessierten Personen differenziert zu diskutieren und zu orientieren.
André Hintermann
www.2hintermann.ch
Nachtrag: Dass Sie am Tag darauf gleich noch einen weiteren "süffigen"
Artikel nachschieben, bestätigt die oben beschriebenen "kommerziellen
Dynamiken im System einer Tageszeitung": Im Gespräch bleiben und die Welle
reiten!
|
|